Ja: Unternehmen mit Transaktionen zu verbundenen Parteien in Bosnien und Herzegowina müssen Verrechnungspreise nach dem Prinzip „van dohvata ruke“ dokumentieren. Die Dokumentation muss bei Abgabe der Steuererklärung vorliegen. Auf Anforderung der Steuerbehörde gilt eine Frist von 45 Tagen zur Übergabe. Wer diese Pflicht noch nicht erfüllt, sollte jetzt eine Funktions- und Risikoanalyse starten oder sich lokal rechtlich beraten lassen.
Kurz gesagt:
- Unternehmen in Bosnien und Herzegowina müssen Verrechnungspreise nach dem Prinzip „van dohvata ruke“ dokumentieren, insbesondere bei Transaktionen mit verbundenen Parteien.
- Bei Anforderung der Steuerbehörde bleiben nur 45 Tage, um die vollständige Verrechnungspreisdokumentation vorzulegen, weshalb eine laufende Dokumentation dringend empfohlen wird.
- Die Wahl der geeigneten Methode zur Preisermittlung hängt von verfügbaren Vergleichsdaten, der getesteten Transaktionsseite und der wirtschaftlichen Substanz der Gesellschaft ab.
- Typische kontrollierte Transaktionen umfassen Warenlieferungen, Dienstleistungen, Lizenzgebühren und Managementgebühren innerhalb einer Konzernstruktur.
- Bei Unvollständigkeit oder fehlender Dokumentation drohen Bußgelder zwischen 3.000 und 100.000 KM sowie Nachzahlungen und Zinsen, weshalb eine frühzeitige, kontinuierliche Datenpflege ratsam ist.
Inhaltsverzeichnis
- Gesetzlicher Rahmen in BiH: Zakon o porezu na dobit und Pravilnik
- Wer ist verpflichtet? Kriterien, Transaktionen und Schwellen
- Methoden der Verrechnungspreise: Welche passt zu welchem Fall?
- Dokumentationspflichten und Fristen: Was gehört hinein, wann muss es fertig sein?
- Prüfungsrisiken, häufige Fehler und Sanktionen
- Praktische Checkliste: Compliance im Unternehmen aufbauen
- Perspektive von Franjo Vučić: Wann lohnt sich rechtliche Unterstützung?
- Wie Vucic Legal bei Verrechnungspreisen unterstützt
- Wesentliche Gesetzestexte und Analysen zum Nachlesen
- Quellen
- FAQ
Gesetzlicher Rahmen in BiH: Zakon o porezu na dobit und Pravilnik
Die rechtliche Grundlage für Verrechnungspreise in der Föderation Bosnien und Herzegowina liegt im Zakon o porezu na dobit. Die Artikel 44 bis 46 legen fest, dass Transaktionen zwischen verbundenen Parteien zu Bedingungen bewertet werden müssen, die auch unabhängige Dritte vereinbart hätten, also nach dem Prinzip „van dohvata ruke“. Das Gesetz verlangt Vergleichbarkeit der Transaktionen und schreibt vor, dass Unternehmen eine passende Methode zur Preisermittlung wählen und begründen.
Der zugehörige Pravilnik o transfernim cijenama konkretisiert diese Pflichten. Er definiert zentrale Begriffe wie povezana lica (verbundene Personen), MPL und den wirtschaftlichen Eigentümer, und er regelt technisch, wie die Methode auszuwählen ist. Eine wichtige Änderung kam mit dem Pravilnik o izmjenama Pravilnika o transfernim cijenama, bekannt als 92/24: Er passt Schwellenwerte an, unter anderem auf das Äquivalent von 750 Millionen Euro.
Wer ist verpflichtet? Kriterien, Transaktionen und Schwellen
Verbunden sind Parteien nicht nur bei direkter Kapitalbeteiligung. Auch familiäre Beziehungen zwischen Entscheidungsträgern oder eine Kapitalbeteiligung ab 25 Prozent begründen eine Verbindung im Sinne des Gesetzes. Betroffen sind damit weit mehr Unternehmen, als viele Geschäftsführer annehmen, gerade in internationalen Konzernstrukturen mit Tochtergesellschaften in BiH.
Typische kontrollierte Transaktionen sehen in der Praxis so aus:
- Warenlieferungen zwischen Konzerngesellschaften.
- Konzerninterne Dienstleistungen wie IT-Support oder Buchhaltung.
- Lizenzgebühren für Marken, Patente oder Software.
- Management-Fees für Führungs- und Beratungsleistungen aus dem Ausland.
Für Unternehmen innerhalb einer größeren Gruppe lohnt sich eine Gruppenperspektive: Die MPL-Analyse auf Gruppenebene zeigt oft, ob ein Master File aus dem Ausland übernommen und lokal angepasst werden kann, statt ein Local File komplett neu zu erstellen.
Methoden der Verrechnungspreise: Welche passt zu welchem Fall?
Das Gesetz kennt fünf anerkannte Methoden. Die Preisvergleichsmethode, international als CUP bekannt, vergleicht den Preis direkt mit einer unabhängigen Transaktion und funktioniert am besten bei homogenen Produkten mit öffentlich verfügbaren Marktpreisen. Die Kostenaufschlagsmethode setzt auf den Selbstkosten einen marktüblichen Gewinnaufschlag auf, die Wiederverkaufspreismethode geht vom Verkaufspreis rückwärts. Profit Split und die transaktionsbezogene Nettomargenmethode, kurz TNMM, sind Gewinnmethoden und kommen zum Einsatz, wenn traditionelle Methoden an fehlenden Vergleichsdaten scheitern.
Die Wahl der „najprikladnija metoda“, also der am besten geeigneten Methode, richtet sich nach drei Kriterien: Wie verfügbar sind Vergleichsdaten am Markt, welche Seite der Transaktion lässt sich zuverlässig testen, und wie viel wirtschaftliche Substanz steckt tatsächlich in der jeweiligen Gesellschaft. Traditionelle Methoden wie CUP, Cost-Plus und Resale genießen grundsätzlich Vorrang, weil sie direkter an realen Markttransaktionen ansetzen. Erst wenn belastbare externe Vergleichswerte fehlen, etwa bei komplexen Dienstleistungen oder immateriellen Werten, rechtfertigt das den Wechsel zu Profit Split oder TNMM. Jede Methodenwahl muss begründet und dokumentiert werden, eine bloße Nennung reicht den Prüfern nicht aus.

Dokumentationspflichten und Fristen: Was gehört hinein, wann muss es fertig sein?
Die Dokumentation zur Verrechnungspreisermittlung muss mehrere Bausteine enthalten:
- Eine Beschreibung der Organisationsstruktur der Gruppe und der beteiligten Gesellschaften.
- Die Funktions- und Risikoanalyse, kurz FAR, die Aufgaben, Vermögenswerte und Risiken jeder Partei abbildet.
- Die Begründung der gewählten Methode samt Vergleichsdaten unabhängiger Transaktionen.
- Eine abschließende Bewertung, ob die Preise dem Marktprinzip entsprechen.
Die Dokumentation muss bereits bei Abgabe der Steuererklärung existieren, nicht erst danach erstellt werden. Fordert die Porezna uprava FBiH die Unterlagen konkret an, bleiben 45 Tage Zeit zur Übergabe, eine Frist, die bei fehlender Vorbereitung kaum einzuhalten ist.
Profi-Tipp: Dokumentieren Sie laufend über das Geschäftsjahr, statt im Nachhinein zu rekonstruieren, denn wirtschaftliche Begründungen lassen sich Monate später kaum noch glaubwürdig belegen.
Wer Verantwortlichkeiten intern klar regelt und Datenquellen von Anfang an sauber protokolliert, spart sich bei einer Prüfung den größten Teil des Stresses.
Prüfungsrisiken, häufige Fehler und Sanktionen
Prüfer der Porezna uprava FBiH beanstanden immer wieder dieselben Mängel: ausländische Dokumentationen, die ohne lokale Anpassung übernommen wurden, unvollständige FAR-Analysen und Vergleichsdaten, die nicht zur tatsächlichen Transaktion passen. Genau diese Schwächen bestätigen auch akademische Analysen zur Umsetzung der OECD-Grundsätze in Bosnien und Herzegowina.
Im Jahr 2024 stellten 25 Betriebsprüfungen in der Föderation Nachforderungen von insgesamt rund 3 Millionen KM fest. Die Zahl zeigt, dass Transferpreise für die Steuerbehörde kein Randthema mehr sind, sondern ein aktiver Prüfschwerpunkt.
Fehlt die Dokumentation vollständig, drohen Prekršajni nalozi, also Bußgeldbescheide, zusätzlich zu Nachzahlungen und Verzugszinsen. Die Bußgelder für juristische Personen bewegen sich zwischen 3.000 KM und 100.000 KM, abhängig vom Einzelfall.
Praktische Checkliste: Compliance im Unternehmen aufbauen
Wer heute noch keine saubere Struktur hat, kann in drei Phasen vorgehen.
- Kurzfristig, 0 bis 30 Tage: Alle kontrollierten Transaktionen erfassen, interne Verantwortlichkeiten festlegen und Risikostufen pro Transaktionstyp einschätzen.
- Mittelfristig, 30 bis 120 Tage: Die FAR-Analyse laufend führen, die passende Methode je Transaktion auswählen und Vergleichsdaten unabhängiger Transaktionen recherchieren.
- Langfristig: Einen festen Prozess etablieren, die Dokumentation jährlich überprüfen und eine Prüfungssimulation mit externer Unterstützung durchführen.
Profi-Tipp: Planen Sie die Datenrecherche für Vergleichsfälle frühzeitig ein, denn sie gehört zu den zeitaufwändigsten Schritten und wird regelmäßig unterschätzt.
Diese Reihenfolge verhindert, dass die TP-Dokumentation erst unter Zeitdruck entsteht, wenn die Steuerbehörde bereits angefragt hat.
Perspektive von Franjo Vučić: Wann lohnt sich rechtliche Unterstützung?
In der Beratungspraxis zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Internationale Konzerne bringen ein fertiges Master File aus dem Ausland mit, ohne es an die bosnisch-herzegowinischen Vorschriften anzupassen. Genau an dieser Stelle entstehen die größten Prüfungsrisiken. Sobald mehrere Transaktionstypen, knappe Fristen oder eine komplexe Gruppenstruktur zusammenkommen, lohnt sich externe Begleitung meist schneller, als Geschäftsführer erwarten.
— Franjo
Wie Vucic Legal bei Verrechnungspreisen unterstützt
Verrechnungspreis-Compliance in BiH verlangt lokale Detailkenntnis, die ein importiertes Konzernhandbuch selten liefert. Eine spezialisierte Rechtsberatung begleitet Unternehmen an der Schnittstelle zwischen internationaler Konzernstruktur und bosnisch-herzegowinischem Recht.

Zu den Leistungen gehören:
- Funktions- und Risikoanalysen für konzerninterne Transaktionen.
- Erstellung und lokale Anpassung von Local und Master File.
- Begleitung während laufender Betriebsprüfungen.
- Vertretung gegenüber der Porezna uprava FBiH bei Rückfragen oder Einwänden.
Das Beratungsprojekt beginnt häufig mit einem Erstgespräch zur Einschätzung des Risikos, gefolgt von einer Scoping-Phase und der eigentlichen Dokumentationserstellung. Wer die eigene Struktur prüfen lassen will, findet die Leistungsübersicht von Vucic Legal als ersten Anlaufpunkt.
Wesentliche Gesetzestexte und Analysen zum Nachlesen
Wer tiefer einsteigen möchte, findet die Grundlagen im Zakon o porezu na dobit und im Pravilnik o transfernim cijenama. Hintergrund zu steuerlichen Pflichten in Bosnien liefert auch der Leitfaden zum Steuerrecht.
Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt nicht die Beratung durch einen qualifizierten Finanzberater. Wenden Sie sich an eine qualifizierte Finanzfachperson zu Ihrer persönlichen Lage, bevor Sie auf Grundlage dieses Inhalts handeln.
Quellen
- Zakon o porezu na dobit (präčišćeni tekst)
- Transferne cijene: Ko je obavezan da ih primjenjuje i kolike su kazne | Bloomberg Adria
- Problemi primjene OECD smjernica na transferne cijene u Bosni i Hercegovini (EFSA)
FAQ
Was bedeutet das Prinzip „van dohvata ruke“ bei Verrechnungspreisen?
Es bedeutet, dass Transaktionen zwischen verbundenen Parteien zu denselben Bedingungen abgerechnet werden müssen, die auch unabhängige Unternehmen miteinander vereinbaren würden. Dieses Prinzip ist in den Artikeln 44 bis 46 des Zakon o porezu na dobit verankert.
Wer zählt in BiH als verbundene Partei?
Als verbunden gelten Parteien bei direkter oder indirekter Kapitalbeteiligung, etwa ab 25 Prozent, sowie bei familiären Beziehungen zwischen den Entscheidungsträgern der beteiligten Unternehmen. Auch wirtschaftliche Eigentümerstrukturen innerhalb einer Gruppe können eine Verbindung begründen.
Welche Frist gilt, wenn die Steuerbehörde die Dokumentation anfordert?
Nach Anforderung durch die Porezna uprava FBiH bleiben 45 Tage Zeit, um die vollständige Verrechnungspreisdokumentation vorzulegen. Wer erst nach der Anfrage mit der Erstellung beginnt, gerät in dieser Frist häufig unter erheblichen Zeitdruck.
Welche Folgen hat fehlende oder unvollständige TP-Dokumentation?
Fehlt die Dokumentation, drohen Prekršajni nalozi sowie Nachzahlungen und Verzugszinsen auf die ermittelte Steuerdifferenz. Für juristische Personen bewegen sich die möglichen Bußgelder zwischen 3.000 KM und 100.000 KM, abhängig vom konkreten Verstoß.
Welche Methode zur Preisermittlung sollte ein Unternehmen wählen?
Es gibt keine pauschal richtige Methode, die Wahl hängt von der verfügbaren Vergleichsdatenlage und der getesteten Transaktionsseite ab. Traditionelle Methoden wie CUP, Cost-Plus oder Resale genießen grundsätzlich Vorrang vor Gewinnmethoden wie Profit Split oder TNMM, sofern passende Marktdaten vorliegen.
