In Bosnien und Herzegowina gibt es bei Wirtschaftsstreitigkeiten zwei Wege: das Schiedsgericht und das staatliche Gericht. Ein Schiedsgericht entscheidet nur, wenn beide Parteien das vereinbart haben. Dafür wählen sie selbst Schiedsrichter, Sprache und Verfahrensort, und der Schiedsspruch lässt sich auch im Ausland vollstrecken. Ein staatliches Gericht ist ohne Vereinbarung zuständig. Es arbeitet nach festen Verfahrensregeln, in der Landessprache und über mehrere Instanzen. Für internationale Unternehmen mit grenzüberschreitenden Verträgen ist das Schiedsverfahren oft die bessere Wahl. Bei kleineren Forderungen oder rein lokalen Geschäften kann das staatliche Gericht ausreichen. Wichtig ist, dass diese Wahl im Vertrag getroffen wird, also bevor es Streit gibt.
Kurz gesagt
- Ein Schiedsgericht setzt eine Schiedsvereinbarung voraus. Fehlt sie, sind die staatlichen Gerichte zuständig.
- In Bosnien und Herzegowina führt das Schiedsgericht bei der Außenhandelskammer institutionelle Verfahren nach den Sarajevo-Regeln von 2025.
- Ein Schiedsverfahren kostet oft mehr. Dafür ist es flexibler, kann vertraulich bleiben und lässt sich international vollstrecken.
- Ein Schiedsspruch ist bindend. Anerkennung und Vollstreckung können aber scheitern, etwa an einer unwirksamen Schiedsklausel.
- Mediation und Schlichtung führen zu einer Einigung, aber nicht zu einer verbindlichen Entscheidung. Sie ersetzen ein Schiedsgericht deshalb nicht.
Inhaltsverzeichnis
- Was ein Schiedsgericht von einem staatlichen Gericht unterscheidet
- Der direkte Vergleich
- So läuft ein Schiedsverfahren in Bosnien und Herzegowina ab
- Folgen einer Schiedsvereinbarung und wann staatliche Gerichte zuständig bleiben
- Streitigkeiten aus Auslandsinvestitionen
- Bindung und Vollstreckung des Schiedsspruchs
- Schiedsverfahren, Schlichtung und Mediation
- Welches Forum zu welchem Vertrag passt
- Checkliste für eine belastbare Schiedsklausel
- Unsere Perspektive
- Streitstrategie und Vertragsgestaltung mit Vucic Legal
- Häufige Fragen
- Quellen
Was ein Schiedsgericht von einem staatlichen Gericht unterscheidet
Das deutsche Justizministerium beschreibt die Schiedsgerichtsbarkeit als Teil der außergerichtlichen Streitbeilegung. Ein Dritter entscheidet den Streit dabei verbindlich. Grundlage ist eine Schiedsvereinbarung der Parteien, nicht die gesetzliche Zuständigkeit eines Gerichts.
In Bosnien und Herzegowina gilt dasselbe. Das Kantonsgericht Sarajevo definiert Schiedsgerichtsbarkeit als Streitbeilegung durch einen Schiedsrichter. Er erhält seine Befugnis aus der Vereinbarung der Parteien, und seine Entscheidung ist für sie bindend.
Der Unterschied liegt also in der Legitimation:
- Staatliches Gericht: Die Zuständigkeit folgt aus dem Gesetz. Die Richter werden vom Staat ernannt, und das Verfahren richtet sich nach der Zivilprozessordnung der jeweiligen Gebietseinheit.
- Schiedsgericht: Die Zuständigkeit folgt aus dem Vertrag. Die Parteien wählen die Schiedsrichter aus oder lassen sie von einer Institution ernennen. Den Rahmen bilden die vereinbarte Schiedsordnung und das zwingende Recht am Schiedsort.
Für Unternehmen hat das eine praktische Folge: Wer kein Schiedsgericht vereinbart, landet bei den staatlichen Gerichten. Das ist der Normalfall. Nachträglich lässt sich das nur ändern, wenn auch die Gegenseite zustimmt, und mitten im Streit stimmt sie selten zu.
Der direkte Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt die Kriterien, die bei Verträgen mit Bezug zu Bosnien und Herzegowina in der Regel den Ausschlag geben.
| Kriterium | Schiedsgericht | Staatliches Gericht |
|---|---|---|
| Grundlage | Schiedsvereinbarung der Parteien | Gesetzliche Zuständigkeit |
| Entscheider | Einzelschiedsrichter oder Dreierschiedsgericht, von den Parteien oder einer Institution bestimmt | Vom Staat ernannte Richter, keine Auswahl durch die Parteien |
| Fachkenntnis | Schiedsrichter mit Branchenwissen wählbar, etwa für Bau, IT oder M&A | Allgemeine Zivil- oder Handelsgerichtsbarkeit |
| Sprache und Ort | Frei vereinbar | Amtssprachen und Gerichtsort nach Gesetz |
| Instanzen | In der Regel eine Instanz, nur eingeschränkte Überprüfung | Mehrere Instanzen mit Berufung und Revision |
| Öffentlichkeit | Vertraulichkeit vereinbar | Grundsätzlich öffentliche Verhandlung |
| Kosten | Einleitungsgebühr, Schiedsrichterhonorare und Verwaltungskosten, oft höher | Gerichtsgebühren nach Tarif, dazu die Kosten mehrerer Instanzen |
| Vollstreckung im Ausland | Schiedssprüche lassen sich international anerkennen und vollstrecken | Anerkennung ausländischer Urteile hängt stark vom jeweiligen Staat ab |
Zu den Kosten ist die Einschätzung von Germany Trade & Invest eindeutig: Ein Schiedsverfahren ist im Zweifel deutlich teurer. Dafür können Schiedssprüche auch im Ausland anerkannt und vollstreckt werden. Für ein Unternehmen mit Vermögenswerten in mehreren Ländern zählt dieser zweite Punkt oft mehr als die Gebühren.
Bei den Kosten lohnt sich außerdem der Blick auf das ganze Verfahren. Ein Verfahren vor staatlichen Gerichten über mehrere Instanzen bindet Management und Rechtsabteilung über lange Zeit. Ein Schiedsverfahren mit nur einer Instanz ist planbarer, selbst wenn die Gebühren am Anfang höher sind.
So läuft ein Schiedsverfahren in Bosnien und Herzegowina ab
Das wichtigste institutionelle Forum im Land ist das Schiedsgericht bei der Außenhandelskammer von Bosnien und Herzegowina (Vanjskotrgovinska komora BiH) in Sarajevo. Seine Verfahren richten sich nach den Sarajevo-Regeln von 2025. Die Kernpunkte für die Praxis:
- Besetzung: Die Parteien legen den Streit einem Einzelschiedsrichter oder einem Schiedsgericht aus drei Mitgliedern vor. Ein Einzelschiedsrichter ist günstiger und schneller. Ein Dreierschiedsgericht passt besser zu komplexen Streitigkeiten mit hohem Streitwert, bei denen jede Partei einen Schiedsrichter benennen möchte.
- Einleitung und Kosten: Wer Klage oder Widerklage einreicht, zahlt eine Einleitungsgebühr und die Schiedskosten nach der Gebührenordnung der Außenhandelskammer.
- Nachschuss: Reichen die festgelegten Schiedskosten im Lauf des Verfahrens nicht aus, kann der Präsident des Schiedsgerichts einen ergänzenden Kostenvorschuss anordnen. Das sollte man im Budget von Anfang an einplanen.
- Schiedsspruch: Das Verfahren endet mit einem Schiedsspruch, der für die Parteien bindend ist.
Neben der Kammer gibt es zwei weitere Möglichkeiten. Bei einem Ad-hoc-Verfahren legen die Parteien die Regeln selbst fest. Oder sie vereinbaren eine internationale Schiedsinstitution mit Sitz außerhalb des Landes. Welche Option passt, hängt von Streitwert, Vertragssprache, Sitz der Gegenpartei und dem Ort ab, an dem vollstreckt werden soll.
Vor einem staatlichen Gericht gibt es dagegen keine Wahl. Das Gesetz bestimmt Zuständigkeit, Besetzung und Ablauf. Hinzu kommt der Aufbau des Landes: Die Föderation Bosnien und Herzegowina, die Republika Srpska und der Distrikt Brčko haben jeweils eigene Verfahrensordnungen und Gerichtssysteme. Ausländische Unternehmen müssen daher zuerst klären, welches Gericht überhaupt zuständig ist und welches Verfahrensrecht gilt.
Folgen einer Schiedsvereinbarung und wann staatliche Gerichte zuständig bleiben
Mit einer Schiedsklausel verzichten beide Seiten für die erfassten Streitigkeiten auf den Weg zu den staatlichen Gerichten. Erhebt eine Partei trotzdem Klage vor einem staatlichen Gericht, muss sich die Gegenseite rechtzeitig auf die Schiedsvereinbarung berufen. Wer sich stattdessen auf das Verfahren einlässt, riskiert, dass das staatliche Gericht zuständig wird. Für Geschäftsführer und Unternehmensjuristen heißt das: Eine Klage vor einem bosnischen Gericht sollte sofort daraufhin geprüft werden, ob der Vertrag eine Schiedsklausel enthält.
Staatliche Gerichte bleiben trotz einer Schiedsvereinbarung in drei Fällen zuständig oder wieder zuständig. Die Gründe ergeben sich aus den Fällen, in denen die bosnischen Gerichte die Anerkennung eines ausländischen Schiedsspruchs verweigern:
- Fehlende Schiedsfähigkeit: Manche Streitigkeiten dürfen nach bosnischem Recht nicht vor ein Schiedsgericht gebracht werden.
- Ausschließliche Zuständigkeit: Hat ein staatliches Gericht die ausschließliche Zuständigkeit, hilft auch eine Schiedsklausel nicht. Das kann etwa bei bestimmten Fragen zu Immobilien im Land der Fall sein.
- Unwirksame Schiedsvereinbarung: Eine unklare, widersprüchliche oder formfehlerhafte Klausel kann das ganze Schiedsverfahren zunichtemachen.
Dazu kommt die unterstützende Rolle der staatlichen Gerichte. Bei Fragen wie einstweiligen Maßnahmen oder der Vollstreckung eines Schiedsspruchs braucht auch ein Schiedsverfahren die staatliche Justiz. Ein Schiedsgericht kann einen Schiedsspruch nicht selbst zwangsweise durchsetzen.
Streitigkeiten aus Auslandsinvestitionen
Für ausländische Investoren ist eine Regel besonders wichtig: Das Investitionsgesetz von Bosnien und Herzegowina weist Streitigkeiten im Zusammenhang mit Auslandsinvestitionen den nationalen Gerichten zu, außer die Parteien haben ein anderes Verfahren vereinbart, auch ein Schiedsverfahren.
Ohne ausdrückliche Vereinbarung entscheidet also ein bosnisches Gericht nach bosnischem Verfahrensrecht und in der Landessprache. Wer das vermeiden möchte, muss die Schiedsklausel schon im Investitionsvertrag, im Gesellschaftervertrag oder in der Vereinbarung mit der öffentlichen Hand festlegen. Worauf Investoren bei Verträgen mit staatlichen Stellen sonst noch achten sollten, zeigt unser Beitrag zu Investitionsverträgen mit dem Staat BiH.
Bindung und Vollstreckung des Schiedsspruchs
Ein Schiedsspruch ist für die Parteien bindend und beendet den Streit grundsätzlich endgültig. Die Möglichkeiten, ihn vor staatlichen Gerichten anzufechten, sind eng begrenzt. Sie betreffen schwere Verfahrensmängel, nicht die Frage, ob in der Sache richtig entschieden wurde. Ein staatliches Urteil kann man dagegen in mehreren Instanzen überprüfen lassen. Das gibt mehr Möglichkeiten zur Korrektur, macht den Ausgang aber auch weniger vorhersehbar und das Verfahren länger.

Zahlt die unterlegene Partei nicht freiwillig, muss der Schiedsspruch vollstreckt werden. Ein in Bosnien und Herzegowina ergangener Schiedsspruch wird vor den heimischen Gerichten vollstreckt. Ein ausländischer Schiedsspruch muss vorher anerkannt werden. Dabei prüfen die Gerichte genau die oben genannten Punkte: Schiedsfähigkeit, ausschließliche Zuständigkeit und Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung. Wie das Verfahren im Einzelnen abläuft, erklärt unser Leitfaden zur Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche in BiH.
Bei ausländischen staatlichen Urteilen ist die Lage oft schwieriger. Schon kleine Fehler bei Zustellung, Rechtskraftnachweis oder Übersetzung können die Anerkennung verhindern. Die häufigsten Stolpersteine beschreibt unser Beitrag zu Formfehlern bei der Anerkennung ausländischer Urteile.
Schiedsverfahren, Schlichtung und Mediation
Diese Begriffe werden oft verwechselt, bedeuten aber Unterschiedliches. Die Handelskammer Hamburg erklärt den Unterschied so: Im Schiedsverfahren entscheidet ein Schiedsgericht am Ende verbindlich, und die Entscheidung lässt sich vollstrecken. Schlichtung und Mediation sind dagegen offen im Ergebnis. Der Mediator vermittelt zwischen den Parteien, entscheidet aber nichts verbindlich.
In der Praxis lassen sich beide Wege verbinden, zum Beispiel mit einer gestuften Klausel:
- Verhandlung auf Geschäftsführungsebene innerhalb einer festen Frist,
- danach Mediation,
- und wenn keine Einigung gelingt, ein Schiedsverfahren mit verbindlichem Schiedsspruch.
So bleibt Raum für eine Einigung, und am Ende steht trotzdem eine verbindliche Entscheidung. Die Stufen und Fristen müssen aber eindeutig formuliert sein. Sonst wird über die Klausel selbst gestritten.
Welches Forum zu welchem Vertrag passt
Eine allgemeine Antwort gibt es nicht. Es gibt aber klare Kriterien, an denen sich die Entscheidung festmachen lässt.
Ein Schiedsgericht spricht für sich, wenn
- die Vertragsparteien in verschiedenen Ländern sitzen und keine Seite vor den Gerichten der anderen streiten will,
- Vermögen der Gegenpartei im Ausland liegt und dort vollstreckt werden soll,
- Fachfragen eine Rolle spielen, etwa bei Bauverträgen, Software- und SaaS-Verträgen oder Unternehmenskäufen,
- Geschäftsgeheimnisse, Preismodelle oder Technologie nicht öffentlich werden sollen,
- der Vertrag auf Englisch oder Deutsch verhandelt wurde und das Verfahren in dieser Sprache laufen soll,
- ein Streit über mehrere Instanzen den Geschäftsbetrieb über Jahre belasten würde.
Ein staatliches Gericht kann ausreichen, wenn
- es um kleinere, klar belegte Forderungen gegen lokale Vertragspartner geht,
- beide Parteien in Bosnien und Herzegowina sitzen und dort auch vollstreckt wird,
- das Gesetz ohnehin eine ausschließliche Zuständigkeit vorsieht,
- die Möglichkeit, über mehrere Instanzen zu gehen, für das Unternehmen besonders wichtig ist.
In vielen Verträgen ist die Frage gar nicht bewusst entschieden worden. Die Klausel wurde aus einem Muster übernommen. Wie man Verträge in Bosnien insgesamt sicherer gestaltet, zeigt unser Beitrag Vertragsrecht in Bosnien: Risiken minimieren.
Checkliste für eine belastbare Schiedsklausel
Eine Schiedsklausel ist nur so gut wie ihre Formulierung. Diese Punkte sollte jede Klausel in einem Vertrag mit Bezug zu Bosnien und Herzegowina klar regeln:
- Institution oder ad hoc: zum Beispiel das Schiedsgericht bei der Außenhandelskammer in Sarajevo nach den Sarajevo-Regeln oder eine andere ausdrücklich genannte Schiedsordnung,
- Umfang: alle Streitigkeiten „aus oder im Zusammenhang mit“ dem Vertrag, einschließlich der Frage, ob der Vertrag wirksam ist,
- Anzahl der Schiedsrichter: einer oder drei, je nach erwartetem Streitwert,
- Schiedsort: Er bestimmt, welches nationale Schiedsrecht gilt und welche Gerichte unterstützen,
- Verfahrenssprache: besonders wichtig, wenn Vertrag und Korrespondenz nicht in der Landessprache geführt werden,
- Anwendbares materielles Recht: getrennt von der Schiedsklausel festgelegt,
- Vertraulichkeit: ausdrücklich vereinbart, wenn sie gewünscht ist,
- Stimmigkeit: Die Schiedsklausel darf keiner Gerichtsstandsklausel an anderer Stelle im Vertrag oder in den AGB widersprechen.
Gerade der letzte Punkt sorgt in der Praxis oft für Streit. Steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Gerichtsstand und im Rahmenvertrag ein Schiedsgericht, kann die Gegenseite die Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung angreifen. Damit wäre der wichtigste Vorteil verloren.
Unsere Perspektive
Die Wahl des Forums ist eine strategische Entscheidung, keine Formalie. Viele internationale Unternehmen merken erst im Streit, welche Klausel sie unterschrieben haben. Dann lässt sich daran nichts mehr ändern.
Wir beraten Unternehmen, Investoren und Technologieanbieter, die in Bosnien und Herzegowina tätig sind oder hier eine Niederlassung aufbauen. Aus dieser Arbeit kennen wir das Muster: Verträge werden aus anderen Ländern übernommen, die Schiedsklausel passt nicht zu den bosnischen Anforderungen, oder sie widerspricht den eigenen Geschäftsbedingungen. Das Ergebnis sind Unsicherheit, Verzögerung und unnötige Kosten.
Unser Ansatz ist Vorbeugung statt Reaktion. Wir klären vor der Unterschrift, wo die Vermögenswerte der Gegenpartei liegen, welche Sprache das Verfahren braucht und ob die Streitigkeit überhaupt vor ein Schiedsgericht gebracht werden darf. Danach formulieren wir eine Klausel, die im Ernstfall hält. Kommt es trotzdem zum Konflikt, entwickeln wir eine Strategie, die die geschäftlichen Ziele schützt und nicht nur den Rechtsstreit führt.
Franjo
Streitstrategie und Vertragsgestaltung mit Vucic Legal
Vucic Legal begleitet internationale Unternehmen in Bosnien und Herzegowina mit Dispute Strategy & Risk Management, Corporate & Commercial Law und Cross-Border & International Business. Das umfasst die Prüfung bestehender Schieds- und Gerichtsstandsklauseln, die Gestaltung neuer Verträge und die Begleitung bei Investitionen und Transaktionen. Wir arbeiten diskret, schnell und mit Blick auf die geschäftliche Praxis.

Sie verhandeln gerade einen Vertrag mit einem bosnischen Partner oder haben eine Klage oder Schiedsklage erhalten? Dann lohnt sich eine frühe Einschätzung. Einen Überblick über unsere Leistungen finden Sie auf der Seite Rechtsberatung für Unternehmen in BiH.
Häufige Fragen
Ist ein Schiedsspruch in Bosnien und Herzegowina bindend?
Ja. Ein Schiedsspruch ist für die Parteien bindend, weil der Schiedsrichter seine Befugnis aus ihrer Vereinbarung erhält. Anfechten lässt er sich nur in engen Grenzen, meist wegen schwerer Verfahrensmängel. Zahlt die Gegenseite nicht freiwillig, wird er über die staatlichen Gerichte vollstreckt.
Ist ein Schiedsverfahren immer teurer als ein Gerichtsverfahren?
Die Gebühren und Schiedsrichterhonorare sind meist höher als die Gerichtsgebühren in der ersten Instanz. Ein staatliches Verfahren über mehrere Instanzen kann aber insgesamt viel Zeit und interne Ressourcen kosten. Entscheidend ist deshalb der Gesamtaufwand bis zur Vollstreckung, nicht die Einleitungsgebühr.
Kann ich trotz Schiedsklausel vor ein staatliches Gericht gehen?
Grundsätzlich nein, soweit die Klausel den Streit erfasst und wirksam ist. Ein staatliches Gericht bleibt aber zuständig, wenn die Streitigkeit nicht vor ein Schiedsgericht gebracht werden darf, ein Gericht ausschließlich zuständig ist oder die Schiedsvereinbarung unwirksam ist. Für einstweilige Maßnahmen und für die Vollstreckung werden staatliche Gerichte ohnehin gebraucht.
Welches Schiedsgericht gibt es in Bosnien und Herzegowina?
Das wichtigste institutionelle Forum ist das Schiedsgericht bei der Außenhandelskammer von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo. Es arbeitet nach den Sarajevo-Regeln von 2025, mit einem Einzelschiedsrichter oder einem Dreierschiedsgericht. Daneben können die Parteien ein Ad-hoc-Verfahren oder eine ausländische Institution vereinbaren.
Quellen
Kantonsgericht Sarajevo: Anerkennung ausländischer Gerichts- und Schiedsentscheidungen
Außenhandelskammer BiH: Sarajevo-Regeln des Schiedsgerichts (2025)
Elgaronline: Investment Laws, Kapitel Bosnien und Herzegowina
GTAI: Geschäftsaufnahme auf dem Westbalkan
Handelskammer Hamburg: Schiedsgerichtsbarkeit FAQs
